Bericht 10: Ein Fuß an Land

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So schlecht wie in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hatte ich  noch nie auf der Pamir geschlafen. Mensch, war ich aufgeregt! Noch nie war ich im Ausland gewesen. Mehr, als vor drei Jahren einen Fuß auf die weiße Linie zwischen Schleswig-Holstein und Dänemark zu setzen, war bisher nicht drin gewesen. Und nun Brasilien, ein Land , südlich des Äquators mit Sonne und Palmen.

 Doch unsere Ankunft hatte sich verzögert. Zwar hatten die Maschinisten schon vor Sonnenaufgang die Maschine angeworfen und wir alle Segel aufgegeit, d. h. die Segel an die Rah herangezogen. Doch wegen der  herrschenden Ebbe kamen wir nur langsam voran. Fast alle waren oben im Mast, um die Segel zu bergen, indem sie auf die Rah gelegt und festgezurrt wurden und  auch, um das Anlaufen aus luftiger Höhe mit Weitblick zu genießen.

Mit dem Lotsen kamen auch zwei Schlepper und wir mussten - bis auf 15 Mann, je 5 Mann im Fock-, Groß- und Kreuzmast auf der Royal Rah - alle unten an Deck bleiben. Dazu gehörte leider auch ich. Die Deckarbeiter mussten Drähte, Leinen, Fender und Wischen bedienen. Die Royal Rah-Gäste hatten die Aufgabe, die Anweisungen des Lotsen laut und deutlich für die Schlepper und Festmacher an Land zu wiederholen. Das hatten wir geübt. Die da oben schrien ihre Texte wie ein Sing-Sang über das Wasser, so dass Hunderte Zuschauer ihnen mehrere Male Beifall zollten.

 Ich gehörte zu den Unterdeckarbeitern und war im Kabelgatt mit vier Kollegen zum Leinen Rausgeben und Leinen wieder verstauen beschäftigt. Für uns blieben die Musik und der Beifall ohne Sicht, und nur derjenige,  der oben an der Luke stand, sah ein wenig von dem, was sich tat. Aber dann war es geschafft. Das Schiff lag am Kai. Die 15 Top Janmaaten stimmten das Lied an:
 

„Ferne Lande durch Schiffe verbunden, der Seemann reicht sein Herz in die Runde“,

und alle, bis auf unseren Kapitän und die Maschinisten, sangen die ersten drei Strophen inbrünstig mit. Darauf erwiderte eine Samba Band mit heißen Rhythmen unseren Gesang.  Es war einfach toll. Nicht nur wir, sondern auch viele Leute am Kai hatten Tränen in den Augen, die sich noch verstärkten, als wir an Land strömten und von Jung und Alt umarmt wurden.

 
Kurz zog die Samba Band weiter zu einem Schuppen, und wir folgten ihr. Dort begrüßte uns der Hafenkapitän und gab einen kurzen Überblick über die bereits 1648 gegründete Hafenstadt. Er lud uns ein, mit der Eisenbahn in die 100 km entfernte Hauptstadt der Region Parana Curitiba in 1000 Meter Höhe zu fahren.  Das ist eine der  schönsten Strecken in Südamerika, mit 14 Tunneln und 30 Brücken.

 Der Kapitän dankte für den herzlichen Empfang, und wir zollten heftigen Beifall  -  leider hieß es dann:  Zurück an Bord, das Schiff löschbereit machen. An Landgang war für mich heute nicht mehr zu denken. Müde war ich auch.

 


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