Bericht 12:  Ein Pampero ist kein Tango

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Sieben Wochen Seemann sein schloss Training in Kälte, Regen und starken Brisen mit ein. Die Schiffsführung und wir hatten auf der Reise zum Hafen von Paranagua, gelernt, das Schiff und die  Elemente voll im Griff zu haben. Seit Auslaufen aus dem ersten Löschhafen segelte die Pamir mit einer Schlagseite von 35°. Majestätisch durchschnitt sie die Wellen und rollte allenfalls ganz wenig. Schnell hatten wir uns von tropischen Düften wieder lösen müssen und sollten in wenigen Tagen ins argentinische Bahia Blanca segeln, um eine volle Schiffladung Getreide nach Deutschland zu nehmen. Der Hafenkapitän von der Plattform eines Kranführerhauses und unser Kapitän von der Saling[1] aus, hatten mit ergreifenden Worten die ewige  Verbundenheit der Seeleute zum Meer bekräftigt. Wir wurden  wieder mit großem Tamtam wie beim Einlaufen  entlassen. Und wieder wurden die Worte des Lotsen über Repetier-Leute an die Schlepper weitergegeben, wobei sie diesmal bereits die Segel von den Rahen lösten. Ein frischer Südwestwind brachte uns zurück in den Südatlantik.

[1] Saling: Eine kleine Plattform am oberen Ende des Untermastes und am oberen Ende des Mittelmast
(der Gesamtmast von ca. 55 m  Höhe besteht aus drei Teilmasten).  


 

Die folgende Nacht hatte Erholung von Land versprochen.

Meine Wachgruppe, Steuerbord ‚Bravo’, sollte noch bis 20 Uhr an Deck und dann acht Stunden Freiwache bis 04 Uhr haben.

 

 

 

 In der Tat, bis zur Abendbrotzeit fuhren wir flott, danach sehr flott und sofort nach Einbruch der Dunkelheit mussten die Royal sowie die Oberbram, Unterbarm und die Großsegel geborgen werden.

 

Zu den ständig stärkeren Winden kamen wasserfallartige  Regenböen. Noch vor Wachwechsel wurden alle Mann an Deck gerufen. Jede Wachgruppe machte einen Mast und die vierte Wache sicherte alle Windhutzen, Niedergänge und Bullaugen

Das Schiff kämpfte sich mit 45° Schlagseite durchs Wasser. Wenigstens 30 Mann waren noch mit Segelfestmachen in den Tops beschäftigt, als eine gewaltige Böe das Kreuz-Oberbramsegel aus den Lieken riss und mit dem Getöse eines Granatwerfers auf und ab flatterte. Die Order kam schnell: „Losschneiden“. Der Seemann und sein Messer traten in Aktion. Mit fünf Mann betraten wir das Fusspferd der Oberbramrah, dem Seil unter der Rah, auf der man sich fortbewegen konnte: Zwei Backbord, zwei Steuerbord und einer in der Mitte am Mast, von wo aus auch das Kommando kam: „Drei, Zwei, Eins, Los“!

 

 

 

Nun schnitt jeder in Sekunden drei Bändels durch. Das klappte perfekt, vielleicht zu perfekt. Eine weitere schwere Böe packte die nässeschwere 100 Quadratmeter Segelfläche, trug sie 100 Meter hoch und ließ sie nur 30 Meter weiter über dem Achterdeck, der Poop, wieder fallen. Es traf die Besangaffel voll. Wie ein Streichholz brach sie durch, ohne einen Laut von sich zu geben. Nun tobte unsere Einsatzmannschaft so, wie die See um uns herum.  Per 100 Tonnen Volumen donnerten Wasserberge in Leeseite an Deck.

 

Wer da stand, war nicht nur nass, sondern musste das ablaufende Wasser gut beobachten, denn es soll vorgekommen sein, dass ein Hai mit an Bord gespült, aber wenn er den Abgang verpasste, besonders beißwütig werden konnte. Dann war es nur gut, ihm nicht zu nahe zu kommen.

Nach 7 Stunden im Kampf mit den Elementen war alles unter Kontrolle, nur der Oberbesan blieb kaputt.

Der Kapitän erklärte, dass das Segel wenig zum Schiffsvortrieb beitrage, aber für das Kurshalten wichtig sei, anderenfalls die halbe Wachmannschaft jeweils das Schiffsruder bedienen müsse.

Wir hielten kurz Rat und erklärten, dass wir zwar gerne Mehrarbeit auf uns nähmen, aber „Safety first“, und Montevideo sei nicht unvernünftig.

 

So kam ich zu meinem ersten Espresso, so kräftig, dass es mit 5 Teelöffeln Zucker einfach köstlich war. Eine eintägige Einladung zu einer Familie auf dem Lande war auch dabei.

 

 

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Hauser


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