Bericht 25: Rauher Abschied
von Europa und Dokter's Ausflug 


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Nach Tagen voller Nässe und Kälte verließen wir rund 8 Stunden nach erfolgreichem Luftpostversand auf der Höhe von „Land’s End“ unseren Westkurs  und  gingen auf Südwestkurs. Zwar hatte sich seit vorgestern ein großes Tiefdruckgebiet über dem Atlantik gebildet, das sich  morgen am Ausgang des Englischen Kanals mit rund fünf bis sechs Windstärken bewegen sollte.

Bis vor Falmouth war alles noch im Lot. Brise aus Süd mit 3-4 Beaufort Windstärken.
Doch nun kam das Tief plötzlich 200 Seemeilen südlich von Irland vor dem Kanal,

 

 

noch 100 Seemeilen vor England und Frankreich, mit stark ansteigenden Windstärken direkt aus Süd. Um 20 Uhr waren 6 Bft., um 22 Uhr 8 Bft., um 23 Uhr 9 Bft. und um Mitternacht wenigstens 10 Windstärken. Das Barometer fiel auf 970 Millibar.

 

 

  Doch nun kam das Tief plötzlich 200 Seemeilen südlich von Irland vor dem Kanal, noch 100 Seemeilen vor England und Frankreich, mit stark ansteigenden Windstärken direkt aus Süd. Um 20 Uhr waren 6 Bft., um 22 Uhr 8 Bft., um 23 Uhr 9 Bft. und um Mitternacht wenigstens 10 Windstärken.

 Das Barometer fiel auf 970 Millibar. Der Wetterdienst meldete noch immer Windstärke 6-7, als unser Funker sich beim Wetterdienst meldete: „Nein, hier sind wir bereits in einem schweren Sturm mit mehr als 10 Bft.“

 

Seit Beginn der Abendwache waren wir alle an Deck. Früh waren die Royal- und Oberbramsegel zerfetzt weggeflogen. Bei Tageslicht wird das so aussehen wie auf einem Foto von Heinrich Hauser aus dem Jahr 1930 (siehe den früheren Bericht [21] vom November 1955).

Von Rah zu Rah arbeiteten wir uns vor, um ein Segel nach dem anderen zu sichern.

Schließlich standen gegen Mitternacht nur noch die Untermars- und Unterbramsegel, doch unsere Geschwindigkeit auf Westkurs lag bei einer Steuerbordschlagseite von 30 Grad noch über 17 Knoten. Wiederholt stürzten schwere Brecher in Lee an Deck. Alles flutschte, nur schiefgehen durfte jetzt nichts.
 

 

 

 

 

 

 Doch plötzlich, es dürfte gegen zwei Uhr gewesen sein, war die Nacht taghell. Aus einer Batterie von einem Dutzend Scheinwerfern wurde unser Schiff von oben bis unten in Licht getaucht. Oben flatterten die Segelfetzen und unten stürzten Wellen an Deck. 

 

 Der Funker stelle Kontakt zum Beleuchter her. Ein französischer Zerstörer wollte unseren Arzt für kurze Zeit ausleihen: Notoperation am Kommandanten. Oh-Mann-Oh-Mann, bei dem Wetter, mit immer noch mehr als Bft 8. „Kein Problem“, sagten die Franzosen, „wir holen den Doktor von der Back-Nock der Fock-Royal-Rah mit unserem neuen Hubschrauber „Alouette II“ ab.“

Unseren sportlicher Medizinmann stimmte begeistert zu, und innerhalb von 10 Minuten begann er den Aufstieg zur Royal Rah des Fockmastes. Ein Scheinwerfer stieg in den Himmel auf. Das musste der Hubschrauber sein. Wegen der Dunkelheit konnte ich Details nicht erkennen. Ärgerlich, denn ich hatte noch nie  zuvor einen Hubschrauber gesehen, und schon gar nicht in Aktion.

Nur Minuten später hing die Maschine über uns, und unter ihr hing an einem gut 20 Meter langen Seil ein Mann, der langsam auf unseren Doktor zukam, ihn in den Arm nahm und mit ihm langsam davon schwebte. Kurz darauf wurde es wieder stockdunkel, und wir brauchten Minuten, um wieder im Dunkeln sehen zu können. Unsern Doktor waren wir erst einmal los. Um sechs Uhr hatte der Wind abgeflaut auf  6 Bft. Für eine Wende durch den Wind, um auf einen Südostkurs zu gelangen, war es noch zu stürmisch. So kam das Kommando zur Halse.

 

 

 

  Dabei wurde das Schiff rechtsherum (über Richtung Norden und Osten) auf SO-Kurs gebracht. Das gelang mit den wenigen Segeln, die noch standen, ganz gut. Jede Wache hoffte nun, auf Freiwache geschickt zu werden. Doch zunächst wurde in zwei Gruppen gefrühstückt.

Dann wurde der Doktor auf der Nock der Royal Rah des Fockmastes wieder in Empfang genommen. Danach wurden alle Wachen unter Deck geschickt, nur meine musste - nach Klamotten-wechsel von nass in trocken - noch für die nächsten vier Stunden an Deck bleiben. Die anderen sollten ab Mittag die Segelfetzen bergen und neue Segel anschlagen. Meine Wache sollte dann acht Stunden Freiwache haben – endlich mal wieder!

 

 


Zu Bericht 26

Zu allen Berichten Teil III





 



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