Bericht 32: Endlich mal Gaucho, Asado
und Karneval in Buenos Aires

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Da ohnehin in Rosario alles ganz schnell gehen sollte, waren die Luken voll, fast von dem Moment an, an dem die Silorüssel rein gehalten wurden. Bei so wenig Zeit würde die Wiege des Tangos, so wurde gemunkelt, von mir und vielen anderen nicht erkundet werden. Wie hätte man in zwei, drei Stunden zum Hüftschwung gefunden? Zu knapp war auch das Taschengeld, das gespeist wurde aus einem Monatssalär von 50.- Deutschen Mark. Darüber hinaus bestimmte das Schicksal des Ankerspills unsere nächste Planung. Die fiel wie gewünscht aus: Reparatur in Buenos Aires. Zwei Wochen plus könnte es dauern, das war sehr willkommen. Schon vorgestern Abend, nach nur zwei Tagen, wurden die Luken zugemacht und kurz nach Mitternacht die Fahrt mit Maschine nach Buenos Aires angetreten. Da wir einen Anker werfen, aber nicht wieder hätten einholen können, begleitete uns ein Schlepper. 

Der Fluss schob uns so kräftig, dass wir nach nur 18 Stunden Fahrt mit großem Hallo von Land und von uns an einer  Kaimauer festmachen konnten. Seit 12 Tagen liegen wir nun schon hier. Heute finde ich Zeit zum Schreiben, denn die Erlaubnis, alle zwei Tage ab Mittag an Land zu gehen, wurde mir wegen eines (fast) unsichtbaren Flecks auf dem Hemd verweigert. Bisher waren diese Landgänge schön, und einmal war sogar ein Ausflug von fast 32 Stunden in die Pampa weit vor den Toren der Stadt dabei. Das war letzten Dienstag gegen 14 Uhr. Da saßen im Vorort Lujan, etliche Kilometer vom Liegeplatz der Pamir entfernt, vier Azubis und vier Gauchos auf acht Pferden, und auf ging es zu der Estancia "El Boa Nova", wohin wir eingeladen waren. Ich fiel anfangs nur zweimal fast vom Pferd, danach gelangen mir die weiteren drei Stunden kräftigen Ritts durch weiches grünes Grass ganz gut. Tausende glückliche Kühe grasten um uns herum. Einem Rindvieh würden wir heute Abend wohl gegenübertreten: Steak und Mate war wohl das, was die Argentinier am besten können, war mein Eindruck nach den ersten Tagen.

Es lag bestimmt an den Pferden, dass keiner von uns Schaden nahm, die Sitzfläche ausgenommen. Wie gut, dass uns an diesem Tag das Wetter hold war. Und mit dem Gastgeber im Angesicht eines ganzen Rinds am Spieß über die Weiten der Pampa und der Meere sprechen zu können, mit seiner großen Familie und zwei Dutzend Gauchos am Feuer zu sitzen, war stimmungsvoll.

Abends aßen wir das köstlichste Fleisch und tranken Mate-Tee aus getrockneten Kürbissen durch Saugen an einem metallenen Halm mit Filter unten dran. Man spürte seinen Koffeingehalt, was meine totale Müdigkeit weit vor Mitternacht aber nicht verhinderte. Die Gauchos gingen auch früh schlafen und mit Dank an unseren Gastgeber brachen wir am nächsten Morgen früh auf. Es regnete Bindfäden. Etwas schützten uns die Ponchos, die uns die Gauchos großherzig überlassen hatten.
      
Bis auf den vermasselten Nachmittag heute war ich schon fünfmal an Land. Einmal für einen dreistündigen Ausflug zum neuen Segelschiff der Marine auf der Werft östlich von Buenos Aires, was nur bedingt meine Stimmung hob. Bei vergleichbarer Größe mit der Pamir sollten rund 250 Mann an Bord sein. Wir fuhren mit 85 Mann!


Die anderen Landgangszeiten verbrachten Ulv und ich mit den Töchtern der Familie Winter, manchmal auch mit deren Eltern. Highlight war der Besuch im „Klub Rosario“ im Delta del Tigre mit einem großen Schwimmbecken. Zunächst war Wasserhandball angesagt, dann Fleisch, Fleisch und nochmals köstlich gegrilltes Asado. Es gab auch mal ein Picknick im Park, und wenn man nicht Karneval in Rio haben kann, dann feiert man Karneval in Buenos Aires, wie am Samstag geschehen, auch wenn bei mir der richtige Schwung ausblieb. Hätte man sich doch in Rosario um Tango kümmern sollen?


Der heutige Tag ist sehr ärgerlich. Übermorgen ist wohl der letzte Landgang. Dann heißt es Abschiednehmen von schönen Tagen, und leise werden ich und auch andere singen:

„I cry for you Argentina“.

Buenos Aires in Postkarten 1956






Theaterbesuch im Februar 1956.

Das Teatro Colón ist das bekannteste Theater in Buenos Aires, Argentinien und gehört zu den berühmtesten Opernhäusern der Welt, mit 2500 Sitz- und 1000 Stehplätze.

Aufnahme links von wikipedia






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